Angedacht vom 05.08.2019

Aufbruch

In Gedanken versunken, oberhalb des Kloster Einsiedeln auf einer Bank sitzend beobachtete ich die Pferde auf der Koppel und die herumtollenden Fohlen. Meine Gedanken führten mich durch Raum und Zeit. Natürlich erlebte die Kirche über die Zeit ihres Bestehens immer wieder viele Änderungen und Neuerungen.
Gerne bin ich ein Teil der weltumspannenden katholischen Weltkirche. Die Eucharistiefeier ist ein religiöser Höhepunkt und ich leide unter dem schlechten Image meiner Kirche. Der Buchdeckel des Buches „Mut zum Sein“ von Paul Tillich auf meinen Knien ist längst zugefallen und meine Gedanken beginnen ins Ungewisse zu springen.
Nach den Finanzskandalen, nach Machtmissbrauch, nach fortgesetzter Diskriminierung von Frauen, nach den Verbrechen der sexuellen Gewalt hat die Kirche ihre Glaubwürdigkeit bei vielen Menschen verloren.
Es ist höchste Zeit zum Aufbruch. Um es mit der Vision des Hl. Franziskus zu sagen, der Jesus Stimme hörte, als er vor einem Kreuz betete: „Franziskus, geh hin und stelle mein Haus wieder her!“ Das Träumen beginnt:
Papst Franziskus lässt ultraorthodoxe Traditionalisten links liegen. Die Amazonas – Synode entscheidet regional und subsidiär. Meine Kirche zeigt sich neu als vielfältige Gemeinschaft, die miteinander auf dem Weg ist, die Zuversicht, Vertrauen und Hoffnung ausstrahlt, die Wegweiser zu Gott und den Menschen ist und die Begeisterung und Freundschaft für das Leben weckt. „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben (Joh.10)“
Mitten im dritten Vatikanischen Konzil verkündet Papst Franziskus die Weihe bewährter Männer zu Priester, Frauen werden zu Diakoninnen und später zu Priesterinnen geweiht, Laien werden Gemeindeleiter.

Angedacht vom 22.07.2019

Alles hat seine Zeit
Unter diesem Motto haben letzten Sonntag einige Firmlinge einen Gottesdienst in der Rundkirche in Großheppach gestaltet.
Jetzt kurz vor den Sommerferien und der Urlaubszeit kann man diesen Bibelvers aus dem Buch Kohelet auch noch erweitern um „Zeit für Ferien“.
Im letzten Schuljahr wurden die Schülerinnen und Schüler oftmals geprüft, mussten viele Aufgaben machen, präsentieren und vieles mehr. So liegen stressige, anstrengende, aber auch erfolgreiche und schöne Monate hinter ihnen. Für uns Erwachsene gilt das nicht minder. Wir in unseren Berufen, in unseren Familien, in unserem Ehrenamt herausgefordert und können auf ein halbes Jahr 2019 zurückblicken, das uns traurige, aber auch freudige Momente geschenkt hat.
Jetzt in der Sommerzeit steht für viele von uns eine Pause an. Nutzen Sie die Zeit, lassen Sie Altes, Belastendes zurück und tanken Sie auf. Machen Sie sich frei von den Sorgen und Ängsten unseres Alltags und öffnen Sie sich für Neues und für Begegnungen mit Gott.
Beim Gottesdienst mit den Firmlingen in der Rundkirche durfte jeder einen Satz aus dem Buch Kohelet aussuchen, der für ihn und die kommenden Ferien passt.
So lade ich auch Sie ein, sich einen Vers aus dem Buch Kohelet (Kap. 3) auszusuchen und ihn in Ihrem Urlaub zum Programm zu machen:

Angedacht vom 24.06.2019

Diakon(ie)
Unter den Begriffen Diakonie auf evangelischer und Caritas auf katholischer Seite verstehen wir die tätige Nächstenliebe und den Dienst an den Menschen.
Die Diakonie und die Caritas sind in Deutschland wichtige und große Arbeitgeber, die, zusammen mit ihren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern, sich den Menschen annehmen.
Dabei ist ihnen Jesus das große Vorbild. Jesus ging zu den Kranken, Verlassenen, Sündern. Er ging zu denen, die die Gesellschaft nicht mehr wollte und abgeschoben hatte. Er ging zu denen, die am Rand der Gesellschaft lebten. Denn alle Menschen waren und sind Abbild Gottes, alle Menschen sind von Gott geliebt – damals und heute.
Das Handeln Jesu löste bei vielen Menschen Kopfschütteln aus: „Wie kann jemand sich mit diesen Menschen einlassen? Wie kann jemand mit schlechten Leuten reden und mit ihnen das Mahl teilen?“
Auch heute gibt es viel Kopfschütteln, wenn jemand nicht ins das Bild der „heilen“ Gesellschaft passt. Viele arme Mitbewohner schämen sich, wenn sie im Tafelladen einkaufen müssen, um über die Runden zu kommen und verheimlichen ihre finanzielle Situation, nur um nicht abgestempelt zu werden.
Da ist es gut und wichtig, dass es Einrichtungen wie die Diakonie, Caritas, die Tafelläden und viele mehr gibt, die ohne Kopfschütteln diesen Menschen am Rand der Gesellschaft helfen.
Aber es sind nicht nur Einrichtungen, die in tätiger Nächstenliebe handeln, sondern auch einzelne Menschen. Viele wären zu nennen, aber ich möchte mich aus aktuellem Anlass einem davon namentlich widmen:

Angedacht vom 27.05.2019

Uns schickt der Himmel
Unter diesem Motto waren vergangene Woche deutschlandweit bei der 72-Stunden-Aktion 160.000 Jugendliche aktiv. Diese Aktion wird von den katholischen Jugendverbänden organisiert. Auch unsere Firmlinge und Ministranten waren mit dabei und haben in 72 Stunden einiges auf die Beine gestellt. So beschäftigte sich die Gruppe aus Weinstadt mit dem Insektensterben und stellte Insektenhotels her und in Remshalden entstanden bei der Kirche St. Michael ein Labyrinth und ein Gebetsgarten.
72 Stunden – weit weg vom Unendlichen, wie wir es bei der Remstalgartenschau feiern, aber ein wichtiges Zeichen von christlichem Miteinander und Füreinander.
Seinen Glauben zu leben, sollte für uns Christen dazu gehört. Da braucht es hin und wieder Aktionen, die medienwirksam sind, die die Öffentlichkeit berühren und aufwecken. Aber seinen Glauben zu leben, geschieht schon im Kleinen, im Verborgenen. Dann, wenn ich anderen mit Respekt begegne, ihnen ein Lächeln und ein nettes Wort schenke. Da gibt es viele Möglichkeiten seinen Glauben zu leben und die Botschaft Jesu in die Welt zu tragen.
Der Abschluss der 72-Stunden-Aktion war das Pilgern zum #entdeckerweg. Gemeinsam mit den anderen Kirchengemeinden gab es dort einen Abschlussimpuls.
Dieses hat gezeigt, dass wir als Christen auch unsere Stimme erheben müssen, um gehört zu werden. Die Welt und unser Umfeld sind so laut, dass wir sonst darin untergehen und keine Beachtung finden. Zum Handeln gehört auch das Wort. Auch wenn es hin und wieder etwas lauter sein muss, damit man von anderen wahrgenommen wird.
Ihnen allen eine gesegnete Woche,
Ihr Gemeindereferent Frank Schien

 

Angedacht vom 20.05.2019

Europa – mon amour
1957 legten Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande mit dem Abschluss der Römischen Verträge den Grundstein für die Europäische Union.
Es war ein mutiger Schritt, zwölf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der Europa in ein einziges Schlachtfeld und einen riesigen Friedhof verwandelt hatte, der getan wurde.
62 Jahre danach kommt dennoch keine Euphorie und Freude auf – Europa wackelt. Solidarität bröckelt. Neue nationale Gräben tun sich auf. In Europa werden wieder Zäune gebaut. England steigt aus und andere Länder könnten folgen.
Jedes gemeinsame Projekt braucht eine gemeinsame Idee. Auch Europa! Die Baumeister der EU, Robert Schumann, Konrad Adenauer, Alice DE Gasperi, waren überzeugte Christen. Europa hat tiefe christliche Wurzeln. Zu seiner Geschichte gehören auch die römische und griechische Antike, Juden und Muslime, die Aufklärung und die Religionskritik.
Diese Mischung hat einen einzigartigen Wertekanon geschaffen: Respekt vor der Würde der menschlichen Person, Solidarität, Recht, Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie.
Die aktuelle Europa-Müdigkeit lässt diese Errungenschaften leicht vergessen: Die europäische Idee hat diesem von Kriegen zerrissenen Kontinent die seit Jahrhunderten längste Friedensperiode gebracht.

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