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Angedacht vom 25.09.2017

Lebenserwartung
Sie werden sich sicher nicht darüber wundern, dass ich es immer sehr bedauernswert finde, wenn jemand seinen christlichen Glauben verliert. Dabei geht es mir nicht so sehr um die Sorge um meinen Arbeitsplatz in Zeiten schrumpfender Herden. Da die Zahl der Hirten (jedenfalls bei den Katholiken) noch viel dramatischer schrumpft, werde ich noch bis an mein Lebensende genug zu tun haben. Und genau das Lebensende war der Grund, weswegen ein mir ausserordentlich sympathischer junger Mann den Glauben verlor. Er übte ein Pflegepraktikum in einem Seniorenheim aus. Er begann dies aus Engagement für seine Mitmenschen. Aus christlicher Gesinnung. Und genau deshalb glaubt er heute nicht mehr an Gott. Jedenfalls nicht mehr an den lieben Gott (und genau an den glaube ich). Nicht nur die Pflegesituation war- infolge des Fachkräftemangels – schlimm. Sondern einfach auch die Dinge, die mit dem Lebensende manchmal einhergehen. Die tausend und mehr Möglichkeiten, die Lebensqualität zu verlieren.

Und schliesslich die Autonomie, zuletzt den Selbstverlust in der fortschreitenden Demenz. Es gibt da einige Antworten. Zum Beispiel, wenn ich sage, dass Pfarrer/ Seelsorger/innen heute meistens betagte Menschen beerdigen und selten Kinder und Jugendliche. Bei meinen Mitbrüdern vor 100 Jahren war es exakt umgekehrt. Tote Kinder waren die Regel. Es ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte der Medizin, der Hygiene und des Wohlstandes, dass Menschen überhaupt so alt werden wie heute. Doch das überzeugte ihn nicht angesichts des hier und jetzt real existierenden Leides. Da fiel mir ein Mann ein, der aus dem Glauben gelebt hat. Er lebte in der Renaissance und neben seiner Genialität war das Alter, das er erreichte, ebenso ungewöhnlich. Michelangelo sprach einmal von seinen vielen Altersleiden. Und dass nun bald der Tod kommen würde. Eine Gräfin entgegnete ihm, ob er wohl lebensmüde sei. „Nein Contessa- ich bin nicht lebensmüde, sondern lebenshungrig.“ Der Schöpfer grandioser Kunstwerke war überzeugt. Der ganz grosse Meister macht am Ende noch grössere und schönere Kunstwerke aus uns - gerade, weil der Geist genial verändert. Und den die Vorlage der menschlichen Schwäche die inspiriert und liebend motiviert. Ich glaube an den Gott, der aus dem Elend viel Besseres und Schöneres erschafft, als das, was wir uns vorstellen können. Und so sehe ich dank der steigenden physischen Lebenserwartung die noch größere Göttliche Lebenserwartung.
Es grüsst in froher Erwartung Ihr Ludwig-F. Mattes

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