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Angedacht vom 20.03.2017

Lauschangriff
Ich hege Bewunderung für die Geheimdienste. Denn sie haben eine Eigenschaft, um die ich mich sehr bemühe- manchmal auch vergebens: die Geduld. Stellen Sie sich vor: Sie arbeiten bei der NSA. Und Sie müssen unsere Bundeskanzlerin abhören. Das ist mühsam, weil die Kanzlerin natürlich vom BND abgeschirmt wird. Da muss man technische Hürden überwinden. Störsender umgehen, Rechner hacken. Um bei dieser Arbeit ist ganz wenig James Bond dabei, aber ganz viel angewandte Mathematik. Und wenn Ihnen der große Clou gelingt und wenn Sie die mächtigste Frau der Welt angezapft haben, dann kann es sein, dass Sie Dinge erfahren, die womöglich die „Bild“ Zeitung auch schon ohne große Recherche weiß. Dass Frau Merkel Kartoffelsalat liebt. Und diese Nachricht ist ja nicht weltbewegend. Denn auch große Frauen und Männer haben bisweilen einen unspektakulären Appetit. Also: Sie haben mehrere Wochen, Tage und Nächte mit Überwachen verbracht. Literweise Kaffee getrunken. Und Millionen Rechnungen ausführen lassen. Und die große Nachricht besteht vielleicht in einem Telefonanruf von Frau Merkel an Herrn Sauer – ihren Ehemann- wo sie sagt: „ Schatz komme heute etwas später. Erdogan nervt mal wieder. Kaufst Du uns Kartoffelsalat ein.“ Und vielleicht hat just in dem Moment jemand vom militärischen Abschirmdienst gemerkt, dass Sie lauschen und die Verbindung wieder unterbrochen. Dann müssen Sie mit Ihren Erkenntnissen zu Ihrem Führungsoffizier und ihm berichten, dass unsere Kanzlerin Kartoffelsalat sehr und Erdogan wenig mag (ist ja auch zur Zeit ungenießbar).

Angedacht vom 13.03.2017

Ent- Feind- ung
Zwei Hunde verliefen sich einst auf einem Jahrmarkt. Da kamen sie an ein Gebäude, das beide interessierte. Der eine lief zuerst hinein, der andere wartete. Da hörte man ein Knurren, bellen und Gewinsel, dass es einem ganz wind und weh werden kann. Dann kam der Hund heraus. Ganz erschöpft und ausgelaugt. Dann ging der andere hinein. Und siehe da. Es war ein fröhliches Kläffen zu hören. Und auch dieser Hund kam heraus. Fröhlich und schwanzwedelnd. Und: In was für einem seltsamen Gebäude waren die Beiden? Selbstverständlich: es war ein Spiegelkabinett.
Selbstverständlich ist diese Geschichte frei erfunden und hypothetisch. Aber sie ist dennoch wahr. Vielleicht nicht sosehr bei den Hunden als vielmehr bei ihren zweibeinigen- entfernten- Verwandten. Entfernt verwandt, weil der Mensch beachtlich klüger ist, verwandt, weil so manches am Verhalten ähnlich ist.

Angedacht vom 06.03.2017

Mutti oder Vati?
Die Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten und noch mehr die Begeisterung, die ihm entgegen schlägt, faszinieren mich. Denn er bzw. seine Botschaft scheinen den Nerv des Volkes getroffen zu haben. Da ist einer, der sich als Anwalt des kleinen Mannes (und der kleinen Frau) versteht. Einer der Herz hat für den, der „hart schuftet“ und einen fairen Lohn für dessen Mühen fordert. Einer, der neben dem Feuerwehrmann wohnt und dem auch die Belastung der allein erziehenden Mutter nicht fremd ist, sondern wohlbekannt. Einer, der freimütig die Irrungen und Wirrungen seiner Jugend beichtet. Und deshalb auch Verständnis hat für Brüche in der Biografie seiner Landsleute. Einer, der Deutschlands Interessen mit denen einer möglichst starken EU problemlos harmonisiert. Auch wenn das jetzt ironisch klingen sollte, so meine ich das nicht so. Denn dieser gute Wille ist aller Ehre wert. Und auch, dass da einer von „oben“ die Nöte derer von „unten“ gut verstanden hat.

Angedacht vom 27.02.2017

Fein! – Staub !!
Seit ich in Stuttgart wohne, fahre ich öfters mit der S- und der Straßenbahn. Natürlich bin ich nicht so routiniert in diesen Dingen wie die schon länger hier wohnende Bevölkerung. Und so kam mir kürzlich auf dem Hauptbahnhof ein freundlicher Mann zu Hilfe. Er schaute mir bei dem Lösen einer Viererkarte über die Schulter. Aber just in dem Moment, wo ich sie bezahlen und ausdrucken lassen wollte, ermahnte er mich: „Vergessen Sie nicht auf den Kinderknopf zu drücken.“ Auf meinen Einwand, dass ich die Karte für mich bräuchte und nicht für Kinder, antwortete er. „Macht nichts, bei Feinstaubalarm dürfen Sie mit der Kinderkarte fahren.“ Ich tat- nachdem ich mich bedankt hatte- wie mir geheißen. Und siehe da. Der Preis für das Ticket verringerte sich um mehr als die Hälfte- so dass nun praktisch zwei Fahrten frei waren. Dieses Verhalten der Stadt Stuttgart und der VVS beschäftigte mich nun. Denn sie verhielten sich- einfach göttlich.

Angedacht vom 20.02.2017

Evangelium
Für uns scheint heute dieser Begriff eindeutig zu sein: das Evangelium ist der Bericht über das Leben Jesu. So gibt es vier kanonische, das heißt von der frühen Kirche als für alle Christen verbindliche Zeugnisse vom Leben Jesu. So kennen und nennen wir die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes als die vier Verfasser der Evangelien. In der Antike war der Begriff „Evangelium“ noch gar nicht christlich geprägt. Er wurde für militärische Siege der Könige verwendet, später als aktuelle Nachrichten aus dem Kaiserhaus Roms. Die älteste bis heute erhaltene Stelle, wo der Begriff „Evangelium“ verwendet wurde, findet sich auf der in Stein gemeißelten Kalenderinschrift von Priene. Sie wurde 9 vor Christus beschrieben und pries den Geburtstag des Kaisers Augustus, der als Gott verehrt wurde. Das waren also die ersten „Evangelien“. Die Berichte von den Mächtigen und Prächtigen. Sie wurden von der Staatspropaganda als „Gute Nachrichten“ verkauft. Zweifellos waren es gute Nachrichten: eben für die Mächtigen und Prächtigen. Markus, der Verfasser des gleichnamigen Evangeliums verwandte als erster diesen Begriff. Und zwar als Kontrast zu der Mainstream-Meinung.

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