Angedacht vom 04.02.2019

Sei still

Wer von uns hat einen solchen Ausruf noch nie gehört oder gedacht?
Immer mehr Menschen suchen Besinnung und Entschleunigung. Je schnelllebiger die Zeit wird, desto größer ist das Bedürfnis nach einem bewussten Rückzug aus dem Alltag. Die Tourismusorganisationen reagieren. Auf der CMT in Stuttgart wurden spirituelle Reisen, Pilgerwege oder „digital detox“ („digitale Entgiftung“) angeboten.
Sei still – Menschen suchen Ruhe im Umfeld oder in sich selbst.
Aber Stille ist mehr als sich ausruhen. Ein Bild macht dies deutlich: Solange das Wasser im See unruhig ist, sieht man nicht auf den Grund. Erst wenn es sich langsam beruhigt und immer stiller wird, kann man mehr und mehr auf den Grund schauen. Man sieht immer klarer.

Angedacht vom 14.01.2019

„Ganz Ohr“

Erklären sich Welt und Mensch aus sich selbst? Oder ist die Welt selbst offen, mündend ins Grenzenlose?
Viele Christen in unserer Gesellschaft tun sich schwer mit dem Glauben. Ohne Gott durchs Leben zu kommen scheint ein Leichtes.
Menschen fragen nicht mehr: Gibt es Gott oder nicht? Auch nicht: Handelt Gott in unserem Leben oder nicht? Vielmehr drehen sich die Gedanken um die Frage: Ist die naturwissenschaftliche-technische Welt abgeschlossen: Abgeschirmt gegen Jenseitiges, Göttliches – vergleichbar mit einem Faraday´schen Käfig. M.E. ist die Welt nicht geschlossen, sondern offen. Sie muss offen sein, da der menschliche Geist über jeden Endpunkt hinaus fragen kann.
Glauben? Den wollen viele Menschen nicht. Sie argumentieren: Mir fehlt nichts. Dies ist kein Phänomen unserer Zeit. Das kannte schon Jesus. Die Erzählung von Jesus Besuch bei Martha und Maria im Lukasevangelium, Kapitel 10, zeigt dies. Martha ist mit „vielen anderen Dingen“ beschäftigt und Maria hört auf Jesu Wort. Hier zeigt sich, wie wesentlich das Hören ist.
Um „Ganz Ohr“ zu werden und das Wort Gottes in der Tiefe aufnehmen zu können, helfen folgende drei Schritte:
- das Hören mit dem leiblichen Ohr
- das Hören mit dem Ohr des Herzens
- das Halten des Wortes in der Tiefe des Herzens verbunden mit dem Tun.
Martha kreist letztendlich um sich selbst und Maria hört mit dem Herzen.

Angedacht vom 07.01.2019

In mir brennt...

Wer kennt es nicht das Gefühl ?
In mir verlangt es nach mehr, z.B. ich blicke auf ein schneebedecktes Alpenpanorama, erfreue mich daran und plötzlich ist in mir ein Gefühl nach mehr.
„Am Anfang war die Sehnsucht....“ (Nelly Sachs) nach mehr Leben, mehr Freiheit, mehr Liebe.
Was hat es mit der Sehnsucht des Menschen auf sich? Sie scheint so tief zu sitzen, dass der Mensch nur erahnen kann, wonach sie sich sehnt. Dabei wissen wir, dass nicht alle Sehnsüchte gut sind. Manche von ihnen greifen zu kurz. Dann werden Menschen unzufrieden mit dem, was einem die Seele stimuliert – aber nicht ausfüllt. Nicht selten schlagen Sehnsüchte in Gier um, die geradezu gewalttätig werden können.

Aber: Ist nicht auch das Glas Wein am Abend, der Flirt in der S-Bahn, der Kick beim Gas geben Ausdruck einer viel tieferen Sehnsucht? Führt die Sehnsucht nach dem Vorläufigen nicht zur Sehnsucht aller Sehnsüchte – zur Vereinigung mit Gott?
Wahre Lebenskünstler wissen zu unterscheiden, was ihren Durst stillt und was ihn nur größer macht. Sie können in einem Sonnenaufgang, einem wunderbaren Konzert oder im Verliebt sein das Fenster erkennen, welches nur einen Blick in die ewige Erfüllung werfen lässt.

Angedacht vom 10.12.2018

Freude
Wer von Ihnen einmal in Muße die 9.Sinfonie von Ludwig van Beethoven zu Ende gehört hat, dem werden die folgenden Verse bekannt vorkommen. Der fast taube Beethoven greift in seinem letzten Satz zur Überraschung seiner damaligen Zuhörer, die ganz auf ein Instrumentalstück eingestellt waren, auf Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ zurück und lässt Chor und Solisten daraus zitieren.
„Freude, schöner Götterfunke, Tochter aus Elysium. Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum!“
Wenn man das hört, juckt es einem doch in den Fingern oder besser: An den Stimmbändern. Man möchte mitsingen, Orchester und Chor mitdirigieren. Und erst mit dieser Musik werden die Worte Schillers eigentlich wirklich glaubhaft. Sie geht einem direkt und ungefiltert ins Herz. Fährt durch Mark und Bein.
Kein anderes Gedicht hat weltweit so eindrucksvoll Karriere gemacht wie Schillers „Ode an die Freude“. Seit 1985 dient der Schlusssatz der Neunten als offizielle Hymne der EU.
Wie haben wir uns diese Freude konkret vorzustellen? Am Sonntag feiern wir Gaudete, das Fest der Freude. Wie sieht sie aus, die Freude im tristen Alltag?
Folgen wir Schiller und Beethoven selbst:
„Freude, schöner Götterfunke, Tochter aus Elysium.“

Angedacht vom 18.06.2018

Ich-bin-da
Viele Menschen folgten Jesus. Die Schar derer, die im folgten, wuchs von Tag zu Tag. Sie waren überzeugt, dass Jesus der Messias ist. Er hat sie mit seinen Reden und seinem Handeln angesteckt und begeistert.
Auch heute folgen noch viele Menschen Jesus nach, selbst wenn unsere Kirchen sonntags bei weitem nicht mehr prall gefüllt sind.
Wenn wir immer wieder unseren Glauben hinterfragen und an ihm arbeiten, kann er wachsen und gedeihen. Sollten uns dabei Zweifel kommen, sind wir in guter Gesellschaft:
Den Jüngern ging es nicht anders. Sie waren nicht ohne Zweifel und Ängste. Die Geschichte vom „Sturm auf dem See“ zeigt dies.
Alle haben Angst und sind voller Panik, als der Sturm losbricht und das Boot zu sinken droht. Jesus hingegen ist die Ruhe selbst, er schläft sogar.
Der Glaube der Jünger an Jesus hat da noch „Luft nach oben“. Sie sind sogar verärgert über ihn, wie er so handeln kann.
Jesus ist mitten unter ihnen und doch fehlt es ihnen an Glauben, dass alles gut wird.
Viele andere „Propheten“ und Götter versuchen immer wieder Menschen zu überzeugen und viele folgen ihnen nach. Wenn dann aber einmal der Notfall eintritt, sind diese Menschen alleine. Sie finden keinen Halt, stürzen in die Tiefe.
Wer Jesus folgt, der glaubt an den Gott, der immer bei uns ist und der Mose seinen Namen sagte. „Ich-bin-da“.
Auch wenn es uns schwerfällt Gott in unserem Leben zu entdecken, dürfen wir gewiss sein, dass er uns begleitet und für uns da ist.
Bei Beerdigungen spüre ich immer wieder, dass unser Glaube, wenn er da ist, den Menschen auch in solch schwierigen Situationen Halt und Kraft gibt.
Folgendes (bekannte) Gedicht von Margaret Fishback Powers bringt dies wunderschon zum Ausdruck:

© 2017 chimarketing.de - All Rights Reserved.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
zur Datenschutzerklärung Verstanden Ablehnen