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Angedacht vom 18.07.2016

Zahlteller

Lesen bildet. Und in der WKZ las ich kürzlich einen Artikel, der meinen Wortschatz um einen Begriff erweiterte. Da stand geschrieben, dass ein werter Mitbürger ein ausgefallenes Hobby hat. Er sammelt nämlich Zahlteller. Da neben dem Zeitungsartikel der Sammler und seine Sammelstücke zu sehen waren, begriff ich- noch bevor ich den Artikel las- um was es geht. Obwohl ich fast an jedem Tag mit diesem Gegenstand in Berührung komme, wusste ich zuvor seinen Namen nicht. Nicht einmal, dass er einen eigenen Namen hat. Und diesen Gegenstand findet man tatsächlich in jedem Geschäft. Wenn ich etwas haben will, dann bin ich dem Händler etwas schuldig. Bevor ich etwas rechtens als mein Eigentum ansehen kann, muss ich mich ent-schuldigen. Diesen Begriff wählt man natürlich im geschäftlichen Umgang nicht, doch trifft er den Sachverhalt. Wenn ich das Geschäft ohne zu zahlen mit der Ware verlasse, bin ich ein Dieb. Wenn ich meine Schuld bezahlt habe, ein gern gesehener Kunde.

Angedacht vom 11.07.2016

Zerrissen

Im Nachhinein bin ich meinem Schutzengel sehr dankbar. Denn er sagte: „Sag jetzt nichts!“ Ich wollte jedoch was sagen. Denn ich empfand Mitleid. Und wollte helfen. Denn vor einigen Monaten kam eine Schülerin mit zerrissenen Hosen in die Schule. Der Anblick war ärmlich-erbärmlich. So wollte ich das arme Kind fragen, ob sie denn Geld für eine gute Hose brauchte. Manchmal höre ich auf meinen Schutzengel. Und das ist gut so. Denn mehr und mehr kamen plötzlich fast alle Schülerinnen mit zerrissenen Hosen in die Schule. Und mir wurde klar: das ist modisch. Und die zerrissenen Hosen sind noch teurer als die, welche ich mit meinem begrenzten Männerhirn gut finde. Denn Hosen sind meiner Meinung nach dazu da, die Beine zu wärmen und zu bedecken. Und immer noch mache ich mir Gedanken um die Ästhetik des Hässlichen. Ist es ein Protest gegen die Perfektion? Ist es erotisch? Ist es Ausdruck von Freiheit? Jugendliche Rebellion? Oder Ausdruck der eigenen Zerrissenheit?

Angedacht vom 04.07.2016

LOGISCH

Eine Vergnügung an meinem freien Tag besteht darin, in Buchläden herum zu stöbern. Es ist sehr anregend, was Menschen so denken und schreiben. Und auch, was gelesen wird.

Seit mehreren Wochen ist ein Buch der Spitzenreiter der Bestsellerliste Sachbuch: Das geheime Leben der Bäume von Peter Wohlleben.

Angeregt durch den Erfolg legt der Autor nach: Das Seelenleben der Tiere.

Angedacht vom 13.06.2016

K

Es ist ein schlichter Buchstabe. Aber in Fußballfeldgröße. Jedes Mal, wenn ich auf der B 29 in Richtung Remshalden unterwegs bin, begrüßt mich diese Letter am Hang beim Ortseingang.

Das machte mich schon neugierig. Und bald schon hatte ich die Bedeutung und den Sinn dieses Buchstabens ausgemacht.

Doch das K steht für mehr als das K von „Klopfer“. Schließlich wird dort

köstlicher Wein angebaut. Es ist ein

königliches Getränk. Gekommen ins Remstal durch die

Kirche. Sie führte den Weinbau ein. Denn die benötigte diese Gabe, um den

Kelch beim Abendmahl zu füllen. Denn für Christus, den

König, ist das Beste gerade gut genug. Denn sein

kreativer Geist nimmt dieses Element und veredelt es durch sein gütiges

Können, so ist durch menschliche

Kunst dem Göttlichen Geist

keine Grenze gesetzt, um die Freude zu zeigen, die im

kommenden

Königreich herrscht.

Kommt alle und schmeckt, wie gütig der Herr ist.

Kostet und seht, wie das Leben sein wird.

Körper und Seelen sollen sich laben.

Es grüßt mit einem Prosit (lateinisch: es möge nützen)

Ihr Sommelier

Ludwig-F. Mattes

Angedacht vom 06.06.2016

Hallo Nachbar

Das Ergebnis kann sich sehen lassen (Umfrage der Woche TNS Emnid). 82 % der Deutschen hätten gerne Jerome Boateng zum Nachbarn. Übertroffen wird das nur von AfD Wählern, die zu 87 % gerne Tür an Tür mit der Familie Boateng wohnen wollten. Das heißt, dass fast alle Parteimitglieder die Auffassung ihres Parteivizes ablehnen. Ich gehöre ebenfalls zu der Mehrheit derer, die nichts gegen den Herrn Boateng in ihrer Nachbarschaft haben. Jedoch fehlt mir für ein Appartement in der Nähe des Ballvirtuosen wohl das nötige Kleingeld.   Natürlich muss ich eingestehen, dass ich ihn nicht persönlich kenne. Vielleicht ist er sympathisch, vielleicht ist er es nicht. Das kann man jedenfalls nicht an der Hautfarbe erkennen. Aber auf den Fotos und bei seinen Auftritten in der Nationalmannschaft und in den Medien wirkt er jedenfalls ganz sympathisch.

Was mich aber mehr interessiert als seine Haut, ist, was er drauf trägt. Und das ist für mich viel bemerkenswerter. Auf dem einen Arm hat er sich ein Bild von Jesus, auf dem anderen das von Maria eintätowieren lassen. Da er ja nur zu 50 % Afrikaner ist und wohl hauptsächlich im sonnenarmen Deutschland lebt, ist die Haut ganzjährig hell genug, dass ich immer Jesus und Maria sehen kann, wenn ich die Unterarme des Abwehrspielers sehe. Zum Beispiel, wenn er sich vor dem Spiel mit dem rechten Arm bekreuzigt. Wenn das alle Christen vor der Arbeit machen würden, wäre das sicher ein Segen für unser Land.

Und so sehr Herrn Gauland die Hautfarbe des deutschen Leistungsträgers und Spitzensportlers erschreckt, so entzückend finde ich die „Untermieter“, die immer bei Herrn Boateng wohnen- selbst wenn er unter der Dusche steht.

Und dabei sind wir nun bei den wichtigsten Mitbewohnern in Deutschland mit Migrationshintergrund: Jesus und Maria. Denn die Bibel stellt klar: wer Jesus aufnimmt, der hat die Vollmacht, Kind Gottes zu heißen und zu sein. Nachzulesen bei Johannes- gleich am Anfang. Und am Schluss desselben Evangeliums wird Johannes Maria aufnehmen (und gesegnet sein).

Auch wenn ich wohl niemals zur Nadel greifen lassen werde, um Jesus und Maria mir so einzuprägen- in anderer Weise will ich das gerne tun.

Es grüßt Sie Ihr Nachbar

Ludwig-F. Mattes

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