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Angedacht vom 08.08.2016

Blutbad

Mit großer Betroffenheit reagiere ich, wenn ich von so etwas höre. Ein Mensch reißt sich und viele andere Menschen in den Tod. Noch schrecklicher ist es, wenn dies religiös motiviert ist. Denn die Logik dahinter ist pervers: der Attentäter will sich mit seinem Blut von seiner Sünde reinwaschen und begeht dabei die größte denkbare Sünde. Es sind oft junge Männer, die ihrem verpfuschten Leben so ein Ende setzen. Und tatsächlich haben sie zur Hälfte Recht. Sie sind Sünder. Das ist wahr. Aber die Halbwahrheiten sind die schlimmsten Lügen. Die Lüge besteht darin, zu meinen, dass mit dem eigenen Blut die Sünde gelöscht wird.

Angedacht vom 01.08.2016

Angedacht vom 01.08.2016

WUT

Ein Gespenst geht um in Europa- so schrieben es einst die Verfasser des kommunistischen Manifestes. Heute gilt aber: Ein Dämon geht um in Europa und in der Welt- es ist der WUT-Dämon.

Wut und Aggression können berechtigt sein. Und auch Antriebskräfte, etwas zu verbessern. Aber ich sags jetzt gleich: in den allermeisten Fällen trifft das nicht zu. Es gilt hier vielmehr das Wort, das ein edler Heide aus China schon vor vielen Jahrhunderten gesagt hat: „In fünf Minuten Wut zerstörst Du das, was Du in fünf Jahren geduldiger Arbeit aufgebaut hast“- Wie wahr- wo können wir diese Wahrheit deutlicher erkennen als heute- wo aufgebrachte Alpha Männchen ganze Länder mit ihrer Wut ruinieren. Wie unermesslich ist der angerichtete Schaden- wie schwer das wieder gut zu machen. 

Angedacht vom 25.07.2016

Sterne

Wie kürzlich herausgefunden, putzen sich die meisten Deutschen als erstes die Zähne. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen, da ich die Zähne erst nach dem Frühstück putze.

Ich sehe morgens als erstes Sternchen. Dies ist jedoch nicht auf einen feuchtfröhlichen Abend zuvor zurück zu führen, sondern auf meine Pflicht als Priester. Denn als erstes greife ich zum Brevier. Die Sternchen, die ich dann sehe, sind keine optische Täuschung, sondern wirklich. Denn nach jedem Psalmhalbvers kommt der sogenannte Asteriscus, das Sternchen. Dieser soll zum Innehalten einladen. Dass man die Psalmen nicht schnell hinunterschlingt, sondern genussvoll wie man ein gutes Eis ja auch langsam leckt. Denn dann entfaltet es seine Aromastoffe optimal. Oder einen guten Wein, den man auch schlotzt und nicht säuft.

Angedacht vom 18.07.2016

Zahlteller

Lesen bildet. Und in der WKZ las ich kürzlich einen Artikel, der meinen Wortschatz um einen Begriff erweiterte. Da stand geschrieben, dass ein werter Mitbürger ein ausgefallenes Hobby hat. Er sammelt nämlich Zahlteller. Da neben dem Zeitungsartikel der Sammler und seine Sammelstücke zu sehen waren, begriff ich- noch bevor ich den Artikel las- um was es geht. Obwohl ich fast an jedem Tag mit diesem Gegenstand in Berührung komme, wusste ich zuvor seinen Namen nicht. Nicht einmal, dass er einen eigenen Namen hat. Und diesen Gegenstand findet man tatsächlich in jedem Geschäft. Wenn ich etwas haben will, dann bin ich dem Händler etwas schuldig. Bevor ich etwas rechtens als mein Eigentum ansehen kann, muss ich mich ent-schuldigen. Diesen Begriff wählt man natürlich im geschäftlichen Umgang nicht, doch trifft er den Sachverhalt. Wenn ich das Geschäft ohne zu zahlen mit der Ware verlasse, bin ich ein Dieb. Wenn ich meine Schuld bezahlt habe, ein gern gesehener Kunde.

Angedacht vom 11.07.2016

Angedacht vom 11.07.2016

Zerrissen

Im Nachhinein bin ich meinem Schutzengel sehr dankbar. Denn er sagte: „Sag jetzt nichts!“ Ich wollte jedoch was sagen. Denn ich empfand Mitleid. Und wollte helfen. Denn vor einigen Monaten kam eine Schülerin mit zerrissenen Hosen in die Schule. Der Anblick war ärmlich-erbärmlich. So wollte ich das arme Kind fragen, ob sie denn Geld für eine gute Hose brauchte. Manchmal höre ich auf meinen Schutzengel. Und das ist gut so. Denn mehr und mehr kamen plötzlich fast alle Schülerinnen mit zerrissenen Hosen in die Schule. Und mir wurde klar: das ist modisch. Und die zerrissenen Hosen sind noch teurer als die, welche ich mit meinem begrenzten Männerhirn gut finde. Denn Hosen sind meiner Meinung nach dazu da, die Beine zu wärmen und zu bedecken. Und immer noch mache ich mir Gedanken um die Ästhetik des Hässlichen. Ist es ein Protest gegen die Perfektion? Ist es erotisch? Ist es Ausdruck von Freiheit? Jugendliche Rebellion? Oder Ausdruck der eigenen Zerrissenheit?

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