Angedacht vom 10.10.2016

Flugmodus
Ich hielt einst eine Beerdigung. Und der schlimmste Fall trat ein. Mein I-Phone klingelte. Mit fröhlicher Melodie. Da ich mit meiner liturgischen Kleidung aber nicht an meine Hosentasche ran konnte, besann ich mich und predigte lauter und begeisterter. Der Schweiß floss bei mir in Strömen. Und die Tränen der Trauergemeinde auch. Und sie waren aber auch getröstet. So gut war ich- dank des klingelnden Handys. So redete ich mich in Ekstase.  Hoffend, dass die Trauergemeinde mein Handy nicht hören konnte.

Angedacht vom 03.10.2016

Schnipsel
Ein Freund schickte mir vor kurzem mehrere tausend Euro. Allerdings geschnipselt.  Dieser Freund ist ein Freund des hintersinnigen Humors. Und so fragte ich mich, was diese Postsendung mit dem wertlos gewordenen Papier bedeutete. Vor nicht allzu langer Zeit waren die Papierschnipsel noch sehr begehrt. Menschen mussten für sie hart arbeiten. Sie gingen durch viele Hände und Brieftaschen, bevor sie die Bundesbank aus dem Verkehr zog und vernichtete. Sie lagen vielen am Herzen. 

Angedacht vom 26.09.2016

Verstrahlt
 Manchmal fasziniert, wenn die Jugendlichen in ihrer Binnensprache einen neuen Begriff fabrizieren. Und deshalb war ich beeindruckt über den neuen Begriff „verstrahlt“. Selbstverständlich gibt es dieses Wort schon länger. In der bisherigen Bedeutung hat er seine Bedeutung, wenn radioaktives Material etwas anderes kontaminiert. Ein/e Arbeiter/in in einem AKW ist verstrahlt, wenn sie/er in ungeschützten Kontakt mit radioaktivem Material kam. Im Besten Falle kann der/die Mitarbeiter/in dann wieder „entstrahlt“ werden, wenn er/sie sich diversen Reinigungsschritten unterzogen hat.

Angedacht vom 19.09.2016

Smiley
Kürzlich fuhr ich durch eine Tempo 30 Zone. Da leuchtete mir eine Tafel entgegen, die die von mir gefahrene Geschwindigkeit angab. Ich fuhr etwas unter dreißig und so leuchtete die Schrift grün auf. Da ich aber den Smiley vermisste, fuhr ich- ein klein wenig – schneller. Da änderte sich die Farbe auf Rot. Ich fuhr wieder langsam und die Zahl der Stundenkilometer leuchtete grün auf. Aber ich vermisste etwas. Wenn ich sonst- als braver Bürger- vorschriftmäßig fahre und dabei gemessen werde erscheint mir immer ein lachendes Gesicht.

Angedacht vom 05.09.2016

Armselig
Manchmal machen Worte eine interessante Entwicklung durch. Wie etwa das  Wort „Armselig“. Der Anhang „Selig“ hieß im althochdeutschen noch „Sul“, was eine Substantivierung bedeutete: also Armsul = Armut. Selig jedoch hat für uns heute eine andere Bedeutung. Nämlich glücklich, reich, froh. Und so ist dieses Wort eigentlich ein Widerspruch in sich. Wie kann etwas zugleich arm und elend, sowie reich und glücklich bedeuten? Der Herr gibt uns selbst eine Antwort und löst den Widerspruch auf: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich.“(Mt 5,3).

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