Angedacht vom 18.05.2020

(keine) Geduld

Nach dem Tod Jesu ging für seine Jünger eine Welt unter. All ihre Hoffnung war dahin. Sie waren auf einem falschen Weg. Alles nur Lug und Trug. Das ganze Vertrauen, dem Falschen entgegengebracht. Wie es den Jüngern ging, ist gut nach zu vollziehen. Ich habe vollstes Verständnis für ihre Enttäuschung und Niedergeschlagenheit. Drei Jahre waren sie mit Jesus unterwegs, drei Jahre hatten sie ihr ganzes Leben auf Jesus ausgerichtet, ihre ganze Hoffnung auf ihn gesetzt und dann? Tod! Jesus stirbt am Kreuz. Was den Jüngern fehlte war Vertrauen und Geduld. Das mit der Ungeduld ist etwas sehr menschliches. Kinder können es kaum erwarten, bis es an Weihnachten und Ostern Geschenke gibt und auch als Erwachsene kann es uns meist nicht schnell genug gehen. Wer einen Garten hat, der weiß, dass es nicht so schnell geht. So braucht die frisch eingepflanzte Tomate ihre Zeit, bis sie reife Früchte trägt. Die Zeit der Ungewissheit, die Zeit der Ungeduld dauerte für die Jünger damals drei Tage. Drei Tage bis Jesus wieder bei ihnen war, bis er von den Toten auferstand. Aber es war nicht so wie vorher, es war anders. Immer wieder hatte er sich ihnen gezeigt und mit ihnen gesprochen, aber alles war anders als zuvor.

40 Tage nach seinem Tod fährt Jesus in den Himmel, jetzt ist er ganz weg von seinen Jüngern. Denken sie. Ihr Vertrauen und ihre Geduld werden wieder auf eine große Probe gestellt. Es sind nochmals 10 Tage, bis sich an Pfingsten der Heilige Geist über sie ergießt und sie erkennen, was zu tun ist. Ihr Vertrauen und ihre Geduld, wenn sie auch klein war, haben sich gelohnt. Wenig bis keine Geduld, gepaart mit Kurzsichtigkeit, die spätestens an der Landesgrenze endet, befällt zurzeit viele von uns. Die Wochen der Einschränkungen, die im Vergleich zu den allermeisten anderen Ländern erträglich war, sollen jetzt enden. Der Alltag, den wir kennen, soll wieder eintreten und die Freiheit der Menschen muss an erster Stelle stehen. Auch hier habe ich Verständnis, dass dieser Virus, der uns zurzeit gefangen hält, Ängste, Sorgen und Nöte bei uns Menschen auslöst. Den Virus kleinreden, wie es aktuell geschieht, dürfen wir aber nicht, auch wenn es scheint, dass wir ihn im Griff haben und unsere Krankenhäuser nicht überlastet sind. Vielleicht ist ja auch alles bisher so gut ausgegangen, weil wir so besonnen mit der aktuellen Situation umgegangen sind?! Verspielen wir durch diese Ungeduld, was wir die letzten Wochen erreicht haben? Soll das alles umsonst gewesen sein? Ihnen eine gesegnete Woche, bleiben Sie geduldig und behütet!

Ihr Frank Schien, Gemeindereferent


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